Bundesrat Deiss tritt zurück
 
   
Joseph Deiss tritt auf 31. Juli überraschend aus dem Bundesrat zurück. Das hat der Chef des Volkswirtschaftsdepartementes heute angekündigt. Er wolle neuen Kräften Platz machen, begründete er den Entscheid.
 
Er habe Nationalratspräsident Claude Janiak (SP/BL) heute Morgen seine Demission mitgeteilt, sagte Deiss an einer überraschend anberaumten Medienkonferenz. Die Jahre im Bundesrat seien eine bereichernde Zeit gewesen.
 
Bundesrat Deiss erklärte weiter, dass er nun seit sieben Jahren im Bundesrat und seit 25 Jahren politisch tätig sei. Er finde, das sei genug. Er sei froh, in einem Moment gehen zu können, in dem alles gut laufe und er nicht unter politischem Druck stehe.
 
Er trete zu einem Zeitpunkt zurück, in dem die Schweiz international ein angesehener Partner ist und der wirtschaftliche Aufschwung wieder in Gang kommt.
 
Deiss rief im weiteren zur Kollegialität sowie zur Öffnung nach innen und nach aussen.
 
Nicht zuletzt denke er auch an seine Partei, die CVP. Sie könne sich unter den gegebenen Voraussetzungen optimal für die Nationalratswahlen im Herbst 2007 positionieren.
 
 
Nachfolger von Cotti
 
Der heute 60-jährige Deiss wurde am 11. März 1999 als Nachfolger von Flavio Cotti in den Bundesrat gewählt und übernahm das Departement für auswärtige Angelegenheiten. 2003 löste er Innenminister Pascal Couchepin im Volkswirtschaftsdepartement ab.
 
In der historischen Bundesratswahl von Dezember 2003 verblieb er als einziger CVP-Vertreter in der Regierung und wurde nach der Abwahl von Ruth Metzler auch gleich für ein Jahr Bundespräsident
 
Vor seiner Wahl in die Landesregierung war Deiss unter anderem von 1993 bis 1996 Preisüberwacher. Von 1991 bis zu seiner Wahl sass Joseph Deiss für den Kanton Freiburg im Nationalrat.
 
Dort war er gemäss Angaben auf der Website des EVD von 1995 bis 1996 Vizepräsident der nationalrätlichen Kommission für Aussenpolitik und von 1996 bis 1998 Präsident der Kommission für die Totalrevision der Bundesverfassung.
 

 
 
Ein Porträt von Joseph Deiss
 
Joseph Deiss wurde am 18. Januar 1946 in Freiburg geboren. Nach dem Studienabschluss mit dem Doktorat und der Habilitation in Wirtschafts- und Sozialwissenschaften begann er seine berufliche Karriere als Dozent für Volkswirtschaft an der Universität Freiburg.
 
1983 wurde er ausserordentlicher Professor, ein Jahr später ordentlicher Professor für Volkswirtschaft und Wirtschaftspolitik. Von 1993 bis 1996 wirkte er als Preisüberwacher, dann kehrte er als Dekan der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an die Universität Freiburg zurück.
 
Seine politische Karriere begann Deiss 1981 als Vertreter der Christlichdemokratischen Volkspartei (CVP) im freiburgischen Grossen Rat. Vor seinem Rücktritt 1991 präsidierte er das Kantonsparlament. 1982 bis 1996 war er zudem Präsident seiner Wohngemeinde Barberèche.
 
 
Bilaterale Verträge – Uno-Beitritt
 
1991 wurde Deiss in den Nationalrat gewählt. Unter anderem war er 1995-1996 Vizepräsident der nationalrätlichen Kommission für Aussenpolitik und 1996-1998 Präsident der Kommission, welche die Totalrevision der Bundesverfassung vorberiet.
 
In den Bundesrat wurde Josef Deiss am 11. März 1999 als Nachfolger von Flavio Cotti gewählt. Er übernahm das Departement für auswärtige Anglegenheiten (EDA), wo er sich mit Erfolg für die bilateralen Verträge sowie den Uno-Beitritt der Schweiz stark machte.
 
Anfang 2003 wechselte er an die Spitze des Volkswirtschaftsdepartements (EVD). 2004 bekleidete er das Amt des Bundespräsidenten.
 
Deiss ist verheiratet und Vater von drei Söhnen.
 
 
 
 
Das Demissionsschreiben
 
«Herr Präsident

Mit diesem Schreiben beehre ich mich, Ihnen meine Demission als Bundesrat auf den 31. Juli 2006 bekanntzugeben.

Nach sieben Jahren als Chef der Aussenpolitik und dann als Chef der Wirtschaftspolitik halte ich die Zeit für gekommen, neuen Kräften Platz zu machen. Ich verlasse die Landesregierung bereichert um die Erfahrung im Dienste meines Landes und dankbar für alle, die mir im Parlament, im Bundesrat, in der Verwaltung und im Volk ihre Unterstützung und Freundschaft geschenkt haben.

Genehmigen Sie, Herr Präsident, die Versicherung meiner herzlichen und ergebenen Hochachtung.

Joseph Deiss»

 

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