Übergewicht, krankhaftes (Adipositas, Fettsucht, Obesity)
 

Die gesundheitlichen Folgen von Übergewicht und Adipositas sind gravierend: Verschiedenste Symptome und Erkrankungen, die zu einer reduzierten Lebenserwartung führen, können dadurch ausgelöst werden. Fettleibigkeit geht ans Lebendige!

Wegen all diesen gesundheitlichen Folgen empfehlen Stoffwechsel-Experten bei Übergewicht eine Gewichtsreduktion um mindestens fünf bis zehn Prozent. Und zwar spätestens ab einem Bauchumfang von 88 cm bei Frauen und 102 cm bei Männern (gemessen wird der grösste Bauchumfang). Das gleiche gilt ab einem Body Mass Index (BMI) über 25. Je früher man etwas gegen das Zuviel auf der Waage unternimmt, desto besser!

Schmelzen die Fettpolster, erholt sich oft auch der Gesundheitszustand zusehends: Reduziert man beispielsweise bei einem BMI von 35 das Gewicht um 8 Kilo, halbiert sich das Diabetes-Risiko bereits!

 
Diabetes Typ 2 (Zuckerkrankheit)


Generell verändert Übergewicht den Hormonhaushalt und bringt viele andere Körperfunktionen aus dem Lot. Sehr häufig wird dadurch ein Diabetes Typ 2 ausgelöst.

Steigt nach einer Mahlzeit der Zucker (Glukose) im Blut an, so produzieren die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) das Hormon Insulin und leiten es in den Blutkreislauf. Insulin dockt an so genannte Insulin-Rezeptoren an und bewirkt, dass Muskelzellen, Fettzellen und andere Zellen die Glukose aus dem Blut aufnehmen und der Energiegewinnung zuführen können. Durch dauernde Überernährung sinkt - wegen des Überangebots an Glukose und des damit verbundenen chronisch erhöhten Insulinspiegels - die Sensibilität und die Anzahl der Insulin-Rezeptoren. Das im Blut vorhandene Insulin reicht nicht mehr aus, den Glukoseüberschuss in der Blutbahn abzubauen. Dadurch leidet der Körper unter einem relativen Insulin-Mangel. Es muss dauernd neues Insulin gebildet werden. Die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse erschöpfen. Sie brennen sozusagen aus. So entwickelt sich ein so genannter insulinresistenter Diabetes mellitus Typ 2.

Wenn es einem Patienten gelingt, sein Körpergewicht durch Umstellung der Ernährungsgewohnheiten und durch vermehrte Bewegung zu senken und auf einem tieferen Niveau zu stabilisieren, so hat er eine gute Chance, dass seine Insulin-Rezeptoren wieder sensibler und zahlreicher werden. Das kann bedeuten, dass er unter Umständen sogar auf eine medikamentöse Therapie und aufs Insulin-Spritzen verzichten kann - in Absprache mit seinem Arzt natürlich.

 

Andere Stoffwechselstörungen

Übergewicht verursacht Veränderungen im Fettstoffwechsel. Es besteht zum Beispiel ein Überangebot an Cholesterin und Triglyzeriden im Blut. Dagegen sinkt die Konzentration des so genanntem HDL-Lipoproteins. Seine Aufgabe besteht darin, Cholesterin aus dem Körpergewebe in die Leber zu transportieren und auf diese Weise dessen Abbau zu unterstützen. Im Gegensatz dazu steigt die Konzentration des LDL-Lipoproteins im Blut an. LDL-Lipoproteine enthälten besonders viel Cholesterin und begünstigt eine Schädigung der Blutgefässwände (Arterienverkalkung, Arteriosklerose). Im Volksmund werden LDL deshalb als «schlechtes Cholesterin» und HDL als «gutes Cholesterin» bezeichnet.

Weitere Folgen chronisch erhöhter Blutfettwerte sind: Fettleber mit Leberzirrhose-Gefahr sowie Bildung von Gallensteinen. Auch Störungen im so genannten Purin-Stoffwechsel (meist genetisch bedingt) können vorkommen. Dadurch steigt die Harnsäure-Konzentration im Blut, was manchmal zu Gicht führen.

 

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Herzinfarkte und Hirnschläge kommen bei Übergewichtigen häufiger vor als bei Normalgewichtigen. Denn Fettleibigkeit stellt für das Herz-Kreislaufsystem eine starke Belastung dar. Folgeerscheinungen wie Zuckerkrankheit, Bluthochdruck und hohe Blutfettwerte schädigung die Blutgefässe (Arteriosklerose) und begünstigen somit Herzerkrankungen wie die koronare Herzkrankheit , die Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) oder auch Schlaganfälle. Wichtig: Eine Gewichtsreduktion um fünf bis zehn Prozent senkt die Wahrscheinlichkeit, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, bereits erheblich!

 

 

Gelenkbeschwerden

Übergewicht führt zu einer Überbelastung der Gelenke. Betroffen sind der untere Wirbelsäulenbereich sowie die Hüft-, Knie- und Sprunggelenke. Frühzeitige Abnutzungserscheinungen, Knorpeldefekte und Schmerzen in den betroffenen Gelenken (Arthrose) sind die Folge - auch schon bei Jugendlichen. Der Teufelskreis beginnt: Die (Arthrose-) Patienten bewegen sich wegen ihrer oft ungenügend behandelter Schmerzen nicht mehr und nehmen noch weiter an Gewicht zu.

 

Magen-Darm-Erkrankungen

Mehr als 35 Prozent aller übergewichtigen Frauen leiden an Erkrankungen der Gallenwege. Dazu gehören Entzündungen der Gallenblase (Cholezystitis) und Bildung von Gallensteinen (Cholezystolithiasis). Speziell gefährdet sind adipöse Frauen über 40, die noch nicht die Menopause erreicht haben. Bei 95 Prozent aller Übergewichtigen besteht eine geringe Verfettung der Leber, bei 35 Prozent sogar eine Fettleber. Auch die so genannte Refluxkrankheit (saures Aufstossen) verbunden mit einer Entzündung der Speiseröhre (Refluxösophagitis) ist bei Übergewicht häufig.

 
Atem-, Lungen- und Schlafprobleme

Grosse Fettpolster behindern das normale Atmen. Kurzatmigkeit (Dyspnoe) und chronischer Sauerstoffmangel (Zyanose) können die Folge sein. Häufig leiden Übergewichtige auch am so genannten Schlafapnoe-Syndrom. Lautes Schnarchen in Verbindung mit langen Atemaussetzern zerstückeln den Schlafes. Die Betroffenen sind tagsüber sehr müde und abgeschlagen. Die Lebensqualität sinkt massiv.
Schlechte Lebensqualität

Adipositas bedeutet in vielen Fällen eine erhebliche Herabsetzung der Lebensqualität. Denn extrem fettleibige Menschen sind in ihrer Beweglichkeit und ihrem Bewegungsradius sehr eingeschränkt. Sie leiden unter Kurzatmigkeit und geraten bei der kleinsten Anstrengung ins Schwitzen. Zunehmende Schmerzen in den stark belasteten Gelenken verstärken den Hang zur Passivität und Bewegungsunlust. Auch die körperliche Hygiene kann darunter leiden, weil die Betroffenen auf Grund ihrer Körperfülle nicht mehr alle Körperregionen erreichen können und manchmal gar nicht mehr in eine Badewanne oder Dusche passen. Auch der Spass im Leben kommt zu kurz: Viele Aktivitäten und Ausflüge sind für stark übergewichtige Menschen nur eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich.

 

Soziale und psychische Auswirkungen

Fettleibigkeit ist in einigen Kulturen ein Schönheitsideal. In unseren Breiten führt sie aber häufig zur sozialen Ausgrenzung der Betroffenen. Das fängt schon im Kindergarten an. Depressivität, Ängstlichkeit und schlechtes Selbstwertgefühl können die Folgen sein. Die starke Einschränkung der Beweglichkeit, welche die Lebensqualität in vielen Bereichen erheblich reduziert, verstärkt die seelische Belastung zusätzlich. Kommt dann noch die Frustration nach erfolglosen Diäten mit Jo-Jo-Effekt dazu, ergeben sich viele Adipositas-Patienten ihrem Schicksal.
Krebserkrankungen

Übergewichtige haben ein erhöhtes Risiko, an bösartigen Tumoren im Bereich des Darms (Dickdarm, Mastdarm), der  Vorsteherdrüse (Prostata), der Gebärmutter (Uterus), der Eierstöcke (Ovarien), der Brust und der Niere zu erkranken.

 

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