Die UBS hat angeklopft, der Bund war schon seit Wochen am Rotieren:

 

Im Stillen wurde in Bern ein Milliardenplan ausgeheckt, um die Finanzkrise zu lindern.

 
Sonntag, 21. 9.2008
Was für ein dramatischer Tag: Während die Öffentlichkeit erfährt, dass Finanzminister Hans-Rudolf Merz (65) am Samstagabend einen Kreislaufkollaps erlitten hat und Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf (65) im Generalsekretariat des Finanzdepartements (EFD) auf ihre Aufgaben als Stellvertreterin vorbereitet wird, trifft sich in den Räumlichkeiten der Nationalbank an der Börsenstrasse 15 in Zürich eine hochkarätige Runde: UBS-Präsident Peter Kurer (59) und UBS-CEO Marcel Rohner (44), Jean-Pierre Roth (62), Präsident der Nationalbank (SNB), und Direktoriums­mitglied Philipp Hildebrand (45), Eugen Haltiner (60), Präsident der Bankenkommission (EBK), und der Eidgenössische Finanzdirektor ­Peter Siegenthaler (60). An dieser ­Sitzung wird erstmals darüber gesprochen, wie die Ramsch-Hypotheken aus den Bilanzen der Grossbanken entfernt werden könnten.
 
Donnerstag, 2. 10.2008
UBS-Präsident Peter Kurer lässt sich an der ausserordentlichen UBS-Generalversammlung nicht anmerken, dass hinter den Kulissen bereits an Notfallplänen gearbeitet wird. «Ich bin in der glücklichen Lage, Ihnen sagen zu können, dass wir die Bank relativ gut durch die Turbulenzen führen können», sagt er den Aktionären.
 
Freitag, 3. 10. 2008
Während Kurer in der Öffentlichkeit gut Wetter macht, arbeiten EFD, SNB und EBK längst nicht mehr nur an einer Auffanggesellschaft für die faulen Vermögensbestände von UBS und CS, sondern auch an einer staatlichen Finanzspritze, um das Eigenkapital der Grossbanken zu stärken. UBS und CS wissen nichts von der Idee, die Banken mit einer Pflichtanleihe zu stabilisieren. Sie sollen so lange wie möglich versuchen, private Investoren an Bord zu holen.
 
Montag, 6. 10. 2008
Mittlerweile trifft sich der Wirtschaftsausschuss des Bundesrats, dem Pascal Couchepin (66), Doris Leuthard (45) und Eveline Widmer-Schlumpf angehören, fast täglich zu Krisen-sitzungen. Zu den Gesprächen zwischen SNB, EBK und UBS wird die stellvertretende Finanzminis­terin Widmer-Schlumpf wenn nötig telefonisch zugeschaltet.
 
Donnerstag, 9. 10.
Der Rettungsplan für die UBS liegt vor – und noch immer macht der Bund Druck, dass das Eigenkapital privat beschafft werden muss. Gleichzeitig wird die CS angefragt, ob sie auch Unterstützung nötig habe. Der SMI stürzt an diesem Tag um 4,5 Prozent ab.
 
Freitag, 10. 10.
Wirtschaftsministerin Leuthard fliegt allein an die IWF-Tagung nach Washington. Widmer-Schlumpf hat aufgrund des massiven Börsensturzes kurzfristig entschieden, in Bern die Stellung zu halten. Inzwischen wissen ungefähr 30 Bundesangestellte von den Notfallplänen – alles ist streng vertraulich. Der SMI verliert weitere 7,8 Prozent.
 
Samstag, 11. 10.
Die CS erteilt dem Bund eine Absage. Die Bank hat keinen Bedarf nach Auslagerung fauler Papiere und einer staatlichen Finanzspritze. Sie findet Investoren in Katar, Israel und Saudi-Arabien.
 
Sonntag, 12. 10.
Die UBS-Spitze trifft sich mit SNB und EBK zu einer Krisensitzung am SNB-Hauptsitz in Zürich. Die UBS eröffnet der Runde, dass die Suche nach privaten Investoren erfolglos ver­lief. Um 14.20 Uhr ruft Kurer Widmer-Schlumpf in ihrem Büro im Bundeshaus an und eröffnet auch ihr, dass die UBS staatliche Finanzhilfe braucht. Die Bundesrätin, die von der Dimension der benötigten Hilfe überrascht ist, informiert Siegenthaler. Von den Notfallszenarien, die der Bund vorbereitet hat, muss das «grösstmögliche Paket» ausgelöst werden, wie Siegenthaler gegenüber SonntagsBlick sagt. «Es gab an diesem Sonntag Momente, da dachte ich: Wir schaffen das alles zeitlich nicht.
 
Montag, 13. 10. Bundesrätin Widmer-Schlumpf empfängt Kurer und Rohner, die ihren Wunsch um Staatshilfe genauer erläutern. Sie müssen ihre Bitte schriftlich stellen. Widmer-Schlumpf informiert Ernst Leuenberger (63), Präsident der Finanzdelegation (FinDel), dass «etwas beschlossen» werden könnte. Leuenberger bietet die FinDel-Mitglieder auf, am Mittwochnachmittag nach Bern zu kommen. An der Sitzung der Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK) informieren die Bundesräte die Parlamentarier nicht über den Notfallplan.
 
Dienstag, 14. 10.
Der UBS-Brief trifft im Bundeshaus ein.
 
Mittwoch, 15. 10.
Der Bundesrat stimmt dem Hilfspaket für die UBS zu. Um 13 Uhr versammeln sich die FinDel-Mitglieder im Erdgeschoss des Parlamentsgebäudes und studieren die Akten, um sich vorzubereiten. An der FinDel-Sitzung um 15 Uhr im Zimmer 235 im Ostflügel des Bundeshauses erscheinen erst Widmer-Schlumpf, Leuthard sowie Siegenthaler, dann Roth und Haltiner. Auf 16 Uhr ist Kurer geladen. Er beantwortet alle Fragen höflich, bleibt aber kühl, nach dem Eindruck ­mancher Teilnehmer gar eiskalt. Schliesslich segnet die FinDel den Plan ab. Um 19 Uhr empfängt Widmer-Schlumpf den Solothurner Regierungsrat und Präsident der Konferenz der kantonalen Finanzdirektoren, Christian Wanner (61), und erläutert ihm den Plan.
 
Donnerstag, 16. 10.
Früh­morgens um 7 Uhr werden die fünf Parteipräsidenten im Salon du Pré­sident im Bundeshaus West von ­Couchepin, Widmer-Schlumpf, Haltiner und Roth über den UBS-Rettungsplan informiert. Gleichzeitig wird eine Medienmitteilung verschickt. Um 10 Uhr treten die staatlichen UBS-Retter vor die Medien
 
 
 
Und so sieht der Plan aus:
 
  • Investition von 6 Mrd
    Der Bund stärkt die Eigenmittelbasis der UBS mit der Zeichnung einer Pflichtwandelanleihe im Betrag von 6 Mrd. Franken, wie das Eidg. Finanzdepartement (EFD) heute mitteilte. Die Finanzdelegation habe dem erforderlichen Kredit bereits zugestimmt.
  •  
  • 60. Mrd.
    für faule Papiere:
    Darüber hinaus schafft die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Möglichkeit, Ramschpapiere, die derzeit nicht gehandelt werden können, in einen Zweckgesellschaft auszulagern.
  •  
    Die Zweckgesellschaft wird durch die UBS mit einem Eigenkapital von maximal 6 Mrd. Dollar ausgestattet. Die SNB finanziert die an die neue Gesellschaft zu übertragenden Aktiven mit einem Darlehen ohne Rückgriffsrecht im Betrag von höchstens 54 Mrd. Dollar, heisst es in Mitteilungen von UBS und SNB.
     
    Die SNB erhält die volle Kontrolle über die neue Zweckgesellschaft. Die UBS verkauft ihre Eigenkapitalbeteiligung an die SNB für den Betrag von einem Dollar und erhält die Möglichkeit, dieses Eigenkapital später zurückzuerwerben.
     
     
     
     
     
     
         
     

      © 2008 design and layout by Martin Stucky All rights reserved  last update